LT Jubiläumsblog

Bruno Lehmann: Unternehmer mit Herzblut in einer neuen Zeit

Als Bruno Lehmann 1978 ins Unternehmen seines Vaters eintritt, ist er 22 Jahre jung, hat gerade die Fliegerschule der Armee absolviert und sieht sich noch nicht in der Ausbildung am Tech in Biel. Vielleicht liebäugelt sein Vater Hans zu diesem Zeitpunkt noch damit, dass Bruno seinen eigenen Traum vom Fliegen als Pilot in die Tat umsetzt – aber Bruno ist sich schon im Klaren darüber, dass die Fliegerei nicht sein Lebensinhalt sein kann. Doch bis Bruno Lehmann herausfinden wird, was ihn beruflich zu Höhenflügen motiviert, dauert es noch ungefähr 10 Jahre.

Das kleine, grosse Glück ist die Familie

Privat hat Bruno Lehmann sein Glück längst gefunden. Im Ausgang in Bern hat er die Thurgauerin Rita Sonderegger kennen- und lieben gelernt. 1979 kommt Simon, der erste Sohn der beiden zur Welt. Simon bekommt 1981 einen Bruder, 1984 eine Schwester und 1990 noch eine Schwester. Rita Lehmann hält ihrem Mann den Rücken frei. Sie zieht die Kinder gross, derweil Bruno Lehmann dreht, fräst und die Weichen für die Zukunft des Unternehmens stellt, das ab 1980 Bruno Lehmann AG heisst und zu diesem Zeitpunkt fünf Mitarbeitende beschäftigt. Zunächst sind die Arbeitstage in der eigenen Firma beinahe beschaulich, sie dauern 9 Stunden, es gibt nur einen Telefonapparat, der höchstens ein-, zweimal am Tag klingelt; Stress ist anders. Im Kassenbuch seines Vaters ist nachzulesen, was sein Sohn in dieser Zeit verdient: 2800 Franken im Monat. Ja, das Einkommen ist bescheiden, trotzdem ist Existenzangst unbekannt. Es sind gute Jahre. Anfangs ist der frisch gebackene Familienvater Bruno auch noch zwei Monate pro Jahr im Militär und fliegt.

Vom Bucher-Vertreter zum Bucher-Mitbewerber

Ein Bucher-Vertreter hat keine andere Marken! An diesen Kodex hatte sich Hans Lehmann immer gehalten. Als Ende der 1970er-Jahre die «selbstfahrenden Ladewagen» den Markt revolutionierten, bringt das für Lehmann erst einmal viel Ärger, denn Bucher hat riesige Probleme mit diesem neuen Produkt. Das Getriebe ist zu schwach und geht immer kaputt. Anders beim österreichischen Spezialfahrzeughersteller Reformwerke Wels. Sein «Muli» ist bereits seit einem Jahrzehnt ein Erfolgsprodukt, das seinem Name Ehre macht. Der allradgetriebene Transporter der Reformwerke tut, anders als das Modell von Bucher, ausdauernd seinen Dienst. Bruno zögerte nicht und sorgt gleich bei seinem Firmeneintritt 1978 dafür, dass Lehmann auch Vertreter für Reform Muli wird. Die Landmaschinen laufen immer besser. Gut zwei Jahrzehnte später, Ende 2001, bietet LT selbstbewusst auch Ersatzteile an. Das kommt bei Bucher nicht gut an. Lehmann erhält von einem Tag auf den anderen keine Ware mehr. Ja, beim Handel mit landwirtschaftlichen Geräten und Ersatzteilen wird (bis heute) mit harten Bandagen um die Vorrangstellung gekämpft. Aber das kleine Unternehmen Lehmann sieht sich im Recht, holt sich juristische Unterstützung und setzt sich durch. Der Branchenriese Bucher muss seinen Boykott aufgeben.

Lehmann Trub boomt in der Lohnfertigung

Der Handel floriert, ist aber nicht die Leidenschaft von Bruno Lehmann. Er ist ein versierter Mechaniker. Für den Berner Confiseur Beeler entwickelt er eine Verpackungsmaschine für die bekannten Truffes, und er verwendet seine Energie für den Ausbau der Geschäftsbeziehung der beiden Familienunternehmen Lehmann und Jakob. Dabei hat er das richtige unternehmerische Gespür und ist zur rechten Zeit am rechten Ort, als Jakob mit der Inox-Linie das Top-Produkt anbietet, das den Aufstieg des Unternehmes zum Weltmarktführer in der Herstellung von Architekturdrahtseilen begründet. Die Schulkollegen Jakob und Lehmann spannen zusammen. 1987/1988 feiert Lehmann einen Grosserfolg mit den Endstücken, die das kleine KMU für die Drahtseile von Jakob fertig. 1993 schafft Bruno Lehmann die erste CNC-Maschine an. Mit den CNC-Maschinen kommt der Taktwechsel. Von 1993 bis 2003 sind die goldenen Jahre in der Fertigung. Bald arbeiten 50 Mitarbeitende bei Lehmann und Jahr für Jahr investiert Bruno Lehmann in sein Unternehmen.

Grosse bauliche Veränderungen als Wegbereiter der Digitalisierung

Anno 1993 baut Bruno Lehmann den Firmensitz um und trennt die Bereiche Landmaschinen und Fertigung räumlich. Die nächsten An- und Ausbauschritte folgen 2001 und 2007.

Die grossen computergesteuerten Maschinen brauchen Platz. Damit hält die Digitalisierung Einzug im Trub. Den ganz grossen Schritt in die digitale Welt wird dann Brunos Sohn Simon mit dem LT-Online-Shop machen.

Was zählt, sind echtes Wissen und Können, Fairness und die Familie

Bruno Lehmann übergibt, genau wie sein Vater, nach 34 Jahren an die nächste Unternehmergeneration. Erst 56-jährig legt er die Geschicke des Familienunternehmens in die Hände seines Sohns Simon und zieht sich bewusst ins Privatleben zurück.

Für Bruno Lehmann zählen fachliche Spitzenleistungen, wenn sie mit Geradlinigkeit verbunden sind. Da ist er seines Vaters Sohn. Seine unternehmerischen Erfolge haben ihn zu Höchstleistungen motiviert, aber er hat sich vom materiellen Gewinn nicht vereinnahmen lassen. Dass Jakob sich für die Sicherung der Marktposition der Firma in den 2010er-Jahren neu mit einer eigenen Produktion in Vietnam organisiert, ist für den Unternehmer Lehmannn nachvollziehbar – auch wenn diese Veränderung zur grossen Herausforderung für Simon, seinen Sohn und Nachfolger wird.


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